Leitzins

Du bist gerade auf der Suche nach einem Haus oder einer Eigentumswohnung und verfolgst deswegen akribisch die täglichen Entwicklungen auf dem Finanzmarkt. Doch ein einziges Wort, von dem Glück und Verderben deines Finanzierungsvorhabens auf obskure Weise abzuhängen scheinen, lässt dich immer wieder stutzen: Leitzins. Was es mit diesem auf sich hat und wie sich dessen Höhe auf die Konditionen deiner Finanzierung auswirkt, erfährst du im folgenden Beitrag.

Was ist der Leitzins?

Leiht sich eine Geschäftsbank Kapital von einer Zentralbank, so fallen auch bei dieser Transaktion Zinsen an. Der Zinssatz, an dem diese sich dabei orientieren, wird als Leitzins bezeichnet. Da Zentralbanken ihn selbst festlegen können, handelt es sich beim Leitzins um ein zentrales Medium der Geldpolitik, mit dem Währungskurs und Wirtschaftslage sowie die Inflation bis zu einem gewissen Grad gesteuert werden können. In der EU ist es die Europäische Zentralbank (EZB), die für die Bestimmung des Leitzinses zuständig ist.

Wie wird der Leitzins bestimmt?

Im Falle der EZB ist ein eigener Ausschuss für die Festlegung zuständig – der EZB-Rat. Dieser reagiert mit der Anpassung des Zinssatzes auf die aktuelle Wirtschaftslage und versucht, bestimmte finanzpolitische Ziele zu erreichen: etwa konstante Preise oder einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung. Üblicherweise werden Änderungen an zuvor vereinbarten Terminen öffentlich gemacht. Im März 2020 trat in den USA allerdings der seltene Fall einer Notfallszinssenkung ein, als die dortige Zentralbank (Fed) den Leitzins aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie um 0,5 Prozentpunkte senkte.

Wo gelten welche Leitzinssätze?

Der Leitzinssatz der EZB verharrt aktuell mit 0,00 % auf dem niedrigsten Niveau seit 1999 – der Einführung des Euro. In anderen Wirtschaftsräumen beträgt er dagegen mit 10.6.2021:
  • Federal Reserve (USA): 0,00-0,25 %
  • Bank of England: 0,10 %
  • Bank of Japan: -0,10 %
  • Chinesische Volksbanken: 3,85 %
  • Schweizer Nationalbank: -0,75 %
Die Österreichische Nationalbank bietet dir auf ihrer Website übrigens die Möglichkeit, die Entwicklung ausgewählter Leitzinssätze seit 1980 zu verfolgen.

Welche unterschiedlichen EZB-Leitzinssätze gibt es?

In Hinblick auf den Leitzins innerhalb der EU sorgt nicht selten der Umstand für Verwirrung, dass man hier zwischen drei verschiedenen Sätzen unterscheiden muss. Neben dem Hauptrefinanzierungszinssatz, der die Zinsen festlegt, die Banken zu bezahlen haben, wenn sie sich Kapital von der EZB leihen, gibt es den Einlagesatz oder Einlagenzins: Dieser Begriff bezieht sich auf jenen Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken Kapital bei der EZB anlegen können. Aktuell beträgt er -0,50 %.  Der Spitzenrefinazierungszinssatz bestimmt schließlich den Zinssatz, zu dem Banken kurzfristig Geld von der EZB erhalten. Er beträgt derzeit 0,25 %. 

Welche Auswirkungen hat der Leitzins auf Wohnkredite?

Können sich Banken ihr Kapital kostengünstig beschaffen, so steigt auch ihre eigene Bereitschaft, Kredite zu vergleichsweise günstigen Konditionen zu vergeben. Auch weil der Leitzinssatz Auswirkungen auf den EURIBOR hat, der bei variabler Verzinsung oft als Referenz dient, spürst du als Kreditnehmer*in in diesem Fall etwaige Veränderungen.

Folglich profitieren gerade Kund*innen, die sich für variable Zinsen entschieden haben, aktuell von dem historisch niedrigen Stand des EZB-Leitzinses. Bei Wahl eines Zinsmodells für deine Finanzierung solltest du daher bedenken, dass eine Erhöhung des Leitzinses innerhalb der EU vor 2023 eher unwahrscheinlich ist.

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