Schulden

Dein Konto ist überzogen, die erste (vielleicht auch schon die zweite) Mahnung für den letzten Onlinekauf flattert ins Haus oder du weißt nicht, wie du die nächste Handyrechnung bezahlen sollst. Sofort macht sich in deinem Kopf eine Angst bemerkbar, die – seit der Kindheit so vertraut wie gefürchtet – für die äußerste Ausweglosigkeit steht: Schulden. Doch was sind Schulden eigentlich? Wie lassen sie sich vermeiden bzw. beseitigen? Und ist die negative Konnotation, die das Wort im Alltag zweifellos besitzt, aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt gerechtfertigt? Und wenn nicht: woher stammt sie? Diesen Fragen widmen wir uns im folgenden Beitrag.

Was sind Schulden? – Eine kurze Definition

Unter Schulden versteht man ganz allgemein jede Art von finanzieller Verbindlichkeit eines*einer Schuldner*in gegenüber einem*einer Gläubiger*in. Beide Parteien können entweder private oder juristische Personen wie Firmen oder Unternehmen sein. Zentral ist in jedem Fall, dass Schulden nicht erst durch einen Zahlungsverzug entstehen, sondern bereits durch rechtsverbindliche Akte – beispielsweise den Vertragsschluss bei einem Immobilienkredit. Doch auch weitaus alltäglichere Dinge als die Immobilienfinanzierung können zu einem Schuldverhältnis führen. So etwa der Kauf auf Rechnung im Onlinehandel oder die Nutzung eines Dispokredits bei vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten.

Warum so negativ? – Der Begriff Schulden

Wenn Schulden also etwas durchaus Alltägliches sind, wie kommt es dann, dass sie einen derart schlechten Ruf haben? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns den Begriff etwas näher ansehen und einen (wir versprechen es:) kurzen Gang durch seine Geschichte wagen.

Der unangenehme Beigeschmack, der sich beim Wort Schulden üblicherweise einstellt, ist schon auf den Umstand zurückzuführen, dass sich in darin die Schuld verbirgt: Während der reine Begriffsgehalt also lediglich auf die Pflicht verweist, geliehenes Kapital zurückzuerstatten, so haftet der Tatsache, dass man überhaupt Schulden gemacht hat, gewissermaßen ein moralisches Stigma an. Als Schuldner*in gewinnt man so leicht den Eindruck, etwas getan zu haben, dass moralisch verwerflich ist, ja sogar eine religiöse oder metaphysische Dimension hat – kann Gott kulturgeschichtlich doch durchaus als letzter Gläubiger betrachtet werden. Dabei leiten die Gebrüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch von 1838 „Schulden“ von „skulan“ ab – einem germanischen Verb, das lediglich „sollen“ bedeutet bzw. allgemein eine Verpflichtung meint: Keineswegs angenehm, aber noch nicht mit der Negativität besetzt, auf die das Wort heute verweist

Band der Verbindlichkeiten – Die soziale und wirtschaftliche Funktion von Schulden

Dass man als Schuldner*in tatsächlich nicht um das eigene Seelenheil zu bangen braucht, zeigt sich spätestens, wenn man die sozialen und wirtschaftlichen Funktionen berücksichtigt, die Schulden in unserer Gesellschaft besitzen. So weist etwa der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl in einem Interview mit der deutschen Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) darauf hin, dass Schulden ein „elementares soziales Band“ sind, dass das Fortbestehen der Gesellschaft sichert, indem es „wechselseitige Verbindlichkeiten“ schafft.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht wäre eine Gesellschaft ohne Schulden höchstwahrscheinlich kaum leistungsfähig: Sind sie doch überhaupt erst die Voraussetzung für Investitionen und ermöglichen es dem*der Gläubiger*in darüber hinaus, Zeit und Zukunft in ökonomischer Hinsicht produktiv zu machen und das eigene Kapital auf diese Weise zu vermehren.

Was tun bei Schulden?

Auch wenn Schulden eine wichtige wirtschaftliche Triebfeder sind, so lassen sich sicherlich angenehmere Situationen denken als die, verschuldet zu sein. Doch welche Maßnahmen kann man im Fall der Fälle ergreifen, um die eigenen Schulden zu minimieren oder gar zu eliminieren? Hier einige Tipps:

1. Rede offen über deine Situation

Gerade bei einem derart negativ besetzten Thema ist der Leidensdruck von Betroffenen oft besonders groß. Es kann daher hilfreich sein, mit Vertrauenspersonen über die eigene Situation zu sprechen und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten. Reicht das freundschaftliche Gespräch nicht aus, so kann es helfen, eine professionelle Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen.

2. Erstelle ein Haushaltsbuch

In einem Haushaltsbuch – auch Haushaltsbudget – hältst du sämtliche Einkünfte und Ausgaben fest, um den frei verfügbaren Teil deines Einkommens ermitteln: also jenen Teil, den du nicht für die Deckung laufender Kosten verwendest. Mit diesem kannst du deine Schulden abbezahlen. Addiere dafür einfach deine Einkünfte und ziehe anschließend die Ausgaben ab. So lässt sich auch abschätzen, wie lange du für die Rückzahlung deiner Schulden noch brauchst bzw. ob du die Rückzahlung fristgerecht vornehmen kannst.

3. Erstelle eine Übersicht über die Gläubiger*innen und ihre Forderungen

Nachdem du mit dem Haushaltsbudget den frei verfügbaren Teil deines Einkommens ermittelt hast, gilt es nun, dir einen detaillierten Überblick über deine Schulden zu verschaffen. Mache hierfür am besten eine Liste, in der du sämtliche Gläubiger*innen sowie die jeweils geforderten Beträge festhältst. Ratsam ist es auch, die Kontaktdaten deiner Gläubiger*innen innen in die Liste aufzunehmen und bei dieser Gelegenheit alle Unterlagen zu ordnen, die du von diesen erhalten hast. Sämtliche Dokumente stets griffbereit zu haben, ist insbesondere für Termine bei der Schuldnerberatung essenziell.

Schulden und Überschuldung – ein wichtiger Unterschied

Während Schulden – wie wir gerade gesehen haben – prinzipiell nichts Schlechtes, ja sogar ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor sind, verhält es sich mit der Überschuldung anders. Hier ist der*die Schuldner*in nicht mehr in der Lage, den Forderungen des*der Gläubiger*in (fristgerecht) nachzukommen. Die Schulden sind in diesem Fall also höher als das Kapital, über das die verschuldete Person verfügt. Doch auch diese Situation ist keinesfalls ausweglos. Auch hier lassen sich verschiedene Maßnahmen ergreifen:

1. Wende dich an eine professionelle Schuldnerberatung

Setze diesen Schritt so früh wie möglich und ignoriere keinesfalls Rechnungen, die du nicht bezahlen kannst: Mahngebühren lassen den Betrag deiner Schulden weiter ansteigen. Bedenke auch, dass es einige Stellen gibt, die kostenlose Schuldnerberatungen anbieten.

2. Erstelle ein Haushaltsbudget

Wie oben erwähnt, ist es für den ersten Termin bei einer Schuldnerberatung zentral, eine detaillierte und vor allem ehrliche Haushaltsrechnung sowie eine Aufstellung sämtlicher Gläubiger*innen mitsamt den von ihnen geforderten Beträgen vorlegen zu können. Nur so ist den Berater*innen möglich, sich einen Überblick über deine persönliche Situation zu verschaffen und dich individuell zu beraten.

3. Raus aus der Schuldenfalle: der Schuldenbereinigungsplan

Nachdem der*die Berater*in deine Situation analysiert hat, wird er*sie dir eine Strategie vorlegen, mit der du deine Schulden Schritt für Schritt los wirst – den sogenannten Schuldenbereinigungsplan. Idealerweise lässt sich mit einem solchen Plan eine Einigung mit den Gläubiger*innen erzielen, sodass du dich in Zukunft lediglich an diesen halten musst, um deine Schulden sukzessive abzubauen.

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*Repräsentatives Beispiel laut Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz (HIKrG) 🔗

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